GF98.00-P-9100-01A Chemische Einflüsse auf die Lackierung    

Chemische Einflüsse auf die Lackierung

Die Beschichtung von Fahrzeugen durch Lackieren dient sowohl der Ästhetik als auch dem Schutz gegenüber äußerer Einwirkungen, die zu einer sichtbaren Beeinträchtigung oder Zerstörung des Fahrzeugs führen könnten.

Aber auch die qualitativ hochwertigsten Fahrzeuglackierungen, zu denen sicherlich die Mercedes-Benz -Lackierung gerechnet werden darf, sind nicht gegen alle äußeren Einflüsse unempfindlich oder gar beständig. Dies ist unabhängig vom Lackhersteller, von der Rezeptur und der Farbe und gilt sowohl für den Bereich der physikalischen Einwirkungen wie Steinschlag, Waschkratzer, UV-Bestrahlung und Temperatureinflüsse, als auch für den Angriff chemischer Substanzen.

Außer den Niederschlägen von Ölfeuerungsanlagen sind neben Pflanzenschutzmitteln, Bauschutzprodukten, Zementstaub, Lösungsmitteln, vor allem auch Ausscheidungen bestimmter Pflanzen und verschiedener Vogelarten sowie Absonderungen von Insekten als agressive Substanzen zu nennen.

Der Angriff auf die organischen Beschichtungen kann wegen der zum Teil sehr agressiven Säuren bzw. Laugen, verbunden mit lösungswirksamen Substanzen oder biochemischen Abbaureaktionen, extrem groß sein.
  Auch durch den zum Teil extremen Laugencharakter bestimmter Waschmittel in automatischen Waschanlagen, kann ein Oberflächenabbau durch Bindemittelverseifung eintreten. Dieser begünstigt dann einen weiteren Angriff durch lackschädigende Substanzen.

Die Vielzahl dieser möglichen Lackschädigungen sind den Herstellern und Anwendern von Lacken bekannt. Die Untersuchung der Zusammenhänge mit dem Ziel der Entwicklung widerstandsfähiger Systeme ist deshalb keine neue Aufgabe. Dabei spielt aber für die Chemikalienfestigkeit nicht die Härte, sondern die Chemie der Bindemittel und Pigmente eine wesentliche Rolle. Sowohl die heute verwendeten Lacke als auch alle neu entwickelten Produkte basieren auf Harzen mit funktionellen Ester-, Äther-, Amin- oder Urethangruppen, die unter den o. g. Bedingungen eine chemische Abbaureaktion (Verseifung) eingehen können. Mit Lacken die gegen alle äußeren Einflüsse unempfindlich sind, ist jedoch nicht zu rechnen.

Maßgebend für die Geschwindigkeit des Filmabbaues sind im wesentlichen Temperatur, Feuchte (zum Teil im Wechsel), Konzentration und die Einwirkzeit in Beziehung zum Schädigungsmechanismus. Deshalb sollten Verunreinigungen sofort beseitigt werden.


Die Ermittlung der Schadensursache gestaltet sich häufig schwierig, weil die schädigenden Substanzen auch bei Anwendung von aufwendigen modernen analytischen Methoden nicht mehr nachweisbar sind. Diese Schäden, die sich als Flecken, Verfärbungen, Erweichungen, Anätzungen oder Abplatzungen zeigen, werden oft als mangelnde Lackqualität oder als Fabrikationsmängel, wie ungenügende Härte reklamiert.
  Abschließend ist zu erwähnen, daß die Mercedes-Benz AG in Zusammenarbeit mit Lackherstellern und Forschungsinstituten umfassende Arbeiten über Ursachenermittlung und Möglichkeiten der Entwicklung und Einführung noch widerstandsfähigerer, gebrauchstüchtiger Lacksysteme durchführt.